Sommerfrost
Das 2. Abenteuer von Nero Freibauer ist derzeit in Arbeit.
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Leseprobe Sommerfrost
Sonntag, der 13. September 2017
‚Wenn Du jetzt aufhörst, erwürge ich Dich!‘ flüsterte Mia atemlos in Neros Ohr. Um ihrer Drohung Nachdruck zu verleihen, nahm sie Nero mit ihrem freien rechten Arm in den Schwitzkasten. Nero war immer wieder erstaunt über die Muskelkraft, die Mia mit ihren unscheinbaren Yoga-Übungen aufgebaut hatte, und er ließ sich gerne überzeugen, sein Handy klingeln zu lassen.
Wenig später hatte sich Mias Atem beruhigt. Sie arbeitete sich aus einem Bettlaken hervor, das sich um ihren rechten Unterschenkel verknotet hatte, und beugte sich auf der Suche nach ihrer Wasserflasche über den Bettrand. Nero ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, mit seiner rechten Hand eine vorsichtig tastende Linie zwischen Mias Schulterblätter zu zeichnen. Er bildete sich ein, Gänsehaut unter seinen Fingerkuppen zu spüren, war aber nicht sicher, ob so etwas auf dem Rücken überhaupt möglich war.
‚Nutze meine momentane Wehrlosigkeit nicht aus!‘
Trotz der Dunkelheit konnte Nero Mias spitzbübisches Lächeln erahnen, das ihn auch nach mehr als einem Jahr noch in seinen Bann schlug.
Nachdem sie ihren Durst gelöscht hatte, ließ sich Mia zurück in Neros Umarmung fallen. Seite an Seite bestaunten Sie das Wetterleuchten, das der warme Spätsommerabend vor ihrem Fenster auf den Salzburger Nachthimmel zauberte.
Nero war fast eingeschlafen, als er spürte, wie sich Mia über ihn beugte und mit ihrem Arm nach seinem vibrierenden Telefon auf dem Nachtisch fischte. Anscheinend war sie fündig geworden, denn ihre Reaktion ließ Nero jeden Gedanken an Schlaf vergessen.
‚Du Schuft! Spätabendliche Anrufe von unserer charmanten Nachbarin Katharina! Erkläre Dich!‘
Mia verlieh ihrer Frage Nachdruck mit einem Biss in Neros Ohrläppchen, der jedoch seine drohende Wirkung auf den Empfänger weitgehend verfehlte.
‚Gnade, Euer Ehren! Das ist mir unerklärlich! Soll ich Katharina zurückrufen und das Gespräch auf Lautsprecher stellen? Dann können sich Euer Ehren von meiner Unschuld überzeugen.‘
‚Deine allerletzte Chance!‘ Diesmal begleitet von einem angedeuteten Tritt gegen Neros Schienbein.
Katharina lebte in der Dachwohnung direkt über Mia und Nero. Sie war etwa in ihrem Alter und arbeitete als Cellospielerin an der Salzburger Philharmonie. Mia hatte sie kurz nach ihrem Einzug im Herbst letzten Jahres kennengelernt, wenn auch auf unkonventionelle Weise. Nach ihrem abendlichen Konzertauftritt war Katharina im regennassen Treppenhaus ausgerutscht und mit dem Cellokasten vorneweg gegen Mias Wohnungstür geprallt. Das Cello blieb unversehrt, aber Katharina trug ein blaues Auge und einen verstauchten Knöchel davon. Mia hatte sie im Taxi zur Notaufnahme im nahegelegenen Krankenhaus der Barmherzigen Brüder begleitet, und seither waren sie dicke Freundinnen.
Neros Rückruf wurde schon nach dem zweiten Klingeln von einer sichtlich aufgelösten Katharina beantwortet.
‚Nero, ich bin so dankbar, dass Du anrufst. Du wirst nicht glauben, was passiert ist. Rolin ist seit gestern Vormittag spurlos verschwunden.‘